Wenn ein Rechtsstaat wie die USA davon spricht, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde, als man Osama Bin Laden tötete, so ist das bezeichnend für die Lage des Rechtsstaat der westlichen Welt per se. Kein Verfahren, kein Urteil. So einfach ist das.
Vom Artenschutz.
Der neu gezüchtete deutsche Wutbürger hat es geschafft: Google Streetview hat angekündigt, das Streetview-Angebot in Deutschland nicht weiter auszubauen und vorhandene Angebote nicht mehr zu aktualisieren – Deutschland bleibt im Karten-Mittelalter.
Ei, da klatschen die Streetview-Gegner aber in die Hände, vor allen jene wütenden Kleinbürger, die in der Fotografie ihres Anwesens eine eklatante Verletzung ihrer Privatsphäre sehen wollen.
Jene, die aber als erstes nach der Vorratsdatenspeicherung schreien. Jene, die stets und überall alles mit Plastik bezahlen, fleißig Rabattpunkte sammeln und mit ihrem Navi immer genau wissen, wo sie gerade sind und überhaupt nicht begreifen, dass diese Datensammlung sie viel gläserner macht, als ein Foto ihres Hauses in einer Google-Bilddatenbank.
Siehe auch:
- Google aus deutschen Straßen vertrieben?
- Fast 250.000 Haushalte widersprechen Google
- Urheber- und Persönlichkeitsrechte werden verletzt
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Von Filtern
Freudig schalmeit es mir entgegen - „Wir machen Urlaub“ dröhnt es aus dem Mailreader und GMX scheint sich, ohne dass ich weiter den Body der Mail lese, zu freuen, Urlaub machen zu wollen. Oder ähnlich.
Der Spamfilter hingegen macht anscheinend schon deslängeren einen Urlaub.
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Vom Survival Of The Fittest.
Theoretisch: Wenn man ganz darwinistisch an die nuklearen Katastrophen dieser Welt herangeht und das Elend ausblendet, dass eben durch diese Katastrophen verursacht wird, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschen die Strahlung suchen sollten. Um entweder zu überleben oder zu sterben. Zurecht darf mir nun zweifelnd eine zu hohe Strahlendosis angelastet werden, ich rufe aber zu: Mitnichten! und erkläre mich:
Scheinbar gibt es Menschen auf diesem Erdenrund, die besser mit erhöhter radioaktiver Strahlung zurechtkommen als andere. Zuviele Beispiele von beim Tschernobyl-GAU verstrahlten Menschen zeigen dies deutlich: Gleich stark verstrahlte Arbeitskollegen starben einer nach dem anderen in den Folgejahren an Krebs, wieder andere überlebten dieselbe Strahlendosis bis heute, ohne letal zu erkranken. Irgendwo in meinem Hinterkopf meldet sich ein wissenschaftlicher Artikel, in dem es um Gegenden auf diesem Planeten ging, in denen durch Auswaschungen eine erhöhte, natürliche Hintergrundstrahlung existiert. Die Menschen in den betroffenen Regionen zeigten jedoch keine Abnormalitäten, was die typischen, strahlungsbedingten Krankheiten anging. Wie ist so etwas möglich?
Ein Erklärungsversuch: In einem Tümpel lebt eine Vielzahl von Bakterien, die sich bienenfleißig vermehren. Dann kippt Herr Schulz aus der Nachbarschaft mehrere Kilo Salz in den Tümpel und der Salzgehalt des Wassers ändert sich logischerweise. Einige der Bakterien finden das weniger amüsant und sterben, wieder andere überleben dieses Salzfiasko und können sich vermehren, einige ihrer Nachkommen überleben das salzige Nass nicht, die meisten ihrer Nachkommen jedoch haben keinerlei Probleme. Und irgendwann gibt es keine Bakterien mehr, denen der Salzgehalt des Wassers etwas anhaben kann. Die am besten angepassten Bakterien haben überlebt. So oder ähnlich dürfte man sich wohl auch jenes evolutionsbiologische Geschehen beim Ausbilden von Resistenzen gegen Antibiotika vorstellen – man möge mich bitte korrigieren, wenn ich mir da vollkommenen Bullshit zusammen reime.
Wird dieses Prinzip auf die Menschen und radioaktive Strahlung übertragen, so werden viele, viele Menschen an den Folgen der Verseuchung sterben, aber aufgrund der Diversität, der Vielfältigkeit, wird es sicherlich auch Menschen geben, die besser mit der Strahlung leben können als andere. Kurzum: Wenn alle anderen Menschen gar keine Chance gegen die Strahlung haben und nur jene übrig bleiben, die diese Strahlung ohne zu erkranken aushalten , hat die Evolution langfristig einen Menschen durchgesetzt, der an seine Umgebung besser angepasst ist. Eine Umgebung, die durch erhöhte Strahlung gekennzeichnet ist.
Wir leben noch heute mit den Folgen von Tschernobyl, nun werden wir auch mit den Folgen von Fukushima leben müssen. Sicher eine Folge: Menschen erkranken heute und auch in Zukunft vermehrt an Krebs, auch wenn der Zusammenhang nicht eindeutig der Katastrophe von 1986 zuzuordnen ist. Sicher aber auch: Die Evolution lässt sich nicht stoppen. Sie ist der Zahn der Zeit und meuchelt zwischen uns, sie lässt sterben, wer nicht angepasst ist. Ob uns das passt, ist der Natur egal. So irreal und unmenschlich uns das vorkommen mag, diese gnadenlose Auswahl der Natur sichert das Überleben. Auch das Überleben des Menschen in einer Welt, die wir immer ungastlicher und lebensfeindlicher werden lassen.
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Von einem Tropfen Tinte.
Stell Dir eine Badewanne voll mit Wasser vor, rund 150 Liter herrlich erfrischendem Wasser. Nun nehme eine Pipette und lasse einen Tropfen dunkelblauer Tinte in das Badewasser fallen. Was passiert?
An der Aufschlagstelle färbt sich das Wasser dunkelblau und mit der Zeit verteilt sich der Tropfen Tinte im Wasser, aus einem dunklen Blau wird ein helleres, immer schwächer, bis von der Färbung des Wassers nichts mehr zu sehen ist. Das Wasser scheint klar. Scheint. Nachweisbar bliebe die Tinte noch immer.
Nun gieße die gesamte Flasche Tinte in das Wasser und warte, ob das Wasser wieder klar wird oder ob es sich bläulich färbt.
Nein? Willkommen in Fukushima, ihr ignoranten Vollidioten, die ihr meint, Europa sei sicher und jetzt könne man wieder interessantere Dinge in den Nachrichten bringen als immer nur Fukushima, Fukushima, Fukushima.
Denn: Fukushima ist sicher nicht der einzelne Tintentropfen, eher die mit Tinte gefüllte Flasche. Nur ist noch nicht mal abzusehen, wieviel Liter diese Flasche fasst.
Eingeordnet unter Kurzgebratenes
Von guter Politik.
Konjunktiv. Hätte, wollen würden. Wäre jener Plagiator ein älterer Minister mit grauem Haar, einem beleibten Wohlstandsbauch, träte er weniger dynamisch auf und verstünde er nichts von dem, was der Deutsche per sé an Kanzler Schröder einst neu entdeckte, dann liebte, schließlich verachtete, jene mediale Selbstinszenierung, besäße er keinen Adelstitel und wäre er nicht mit einer allgemein als attraktiv angesehenen Frau verheiratet, die Deutschen hätten jenen Minister aufgrund der erschlichenen Doktorwürde zum Teufel gejagt — ohne mit der Wimper zu zucken.
Stattdessen offenbart sich nun aber ausgerechnet eine Gruppe, die gewöhnlich Politik nur dann wahrnimmt, wenn sie über die roten Teppiche der Klatschpresse latscht und behäbig hölzern grinst, und fordert vehement den Rücktritt vom Rücktritt des beliebtesten Politikers aller Zeiten und Welten, der Lichgestalt, des Heilsbringers, wie sich der SPIEGEL an ihm austobt: Wegen der guten Politik.
Welcher guten Politik? Ist es nicht ein wenig zu früh, nach zwei Jahren Tätigkeit Politik zu bewerten? Nur weil er eine Reform angestoßen hat, von der noch niemand wissen kann, wie sie enden wird? Gute Politik, weil er den Einsatz in Afghanistan nicht länger als Kampfeinsatz betiteln kann, sondern aufgrund der Toten unmissverständlich sagen muss, dass es sich hier um Krieg handelt?
Herrlich, wie der tiefschwarze Deutsche endlich auch mal Wutbürger spielen will…
Eingeordnet unter Kurzgebratenes
Zurück zu den Wurzeln
Das Blog ist tot, es lebe das Blog. Kurzum und nicht lange herumgefackelt: Es bleibt keine Zeit mehr, sich gleichzeitig um vier verschiedene Blogs zu kümmern. Nicht, wenn die Tage nicht um ein paar Stunden verlängert werden. „Gehen Sie doch später schlafen oder nutzen Sie die schlaflosen Nächte, die Sie dank Ihrer Kinder haben“, höre ich meine hochverehrte Leserschaft schon sagen, aber es sei ihr entgegengeworfen: Nein. Ich grübel des nachts schon genug herum. Gesundblaues Monitorlicht brauche ich nicht noch dazu.
Das Blog ist tot, es lebe das Blog. Hier geht es zumindest nicht mehr weiter. Allerdings kehre ich zu meinen Wurzeln zurück und vereine, was dereinst schon zusammen war: Das Politische mit dem Banalen, das Gesellschaftliche mit der Persona Non Grata. Herr Schwaner geht zurück zu 24stunden.de und bleibt künftig da.
Ich bitte die geneigte und verlinkende Leserschaft ihre Schritte künftig zu www.24stunden.de zu lenken und die Blogrolls gegebenenfalls anzupassen. Vielen lieben Dank.
Es ist nur ein kleiner Schritt. Nun los. Traut Euch. Klick!
Und schluss…
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Nennt mich garstig
Nennt mich böse, nennt mich garstig, aber warum in drei Teufels Namen sind Kinderseiten grundsätzlich mit dem beschissensten Font der Welt, MS Comic, gestaltet? Warum?
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Elefantös
Eigentlich war die folgende Antwort als Kommentar auf Frau Amis EBV-Verdacht gedacht. Doch da ich mich wieder einmal nicht kurz fassen wollte, steht es jetzt nun hier:
Ich pfeiferte im Jahre 2000 nach Christi Geburt herum, insgesamt 13 Wochen an der Zahl.
Die erste Ärztin, die mich damals untersuchte, durchtastete meinen dicken Bauch, schimpfte und sagte: „Herr Schwaner, in Ihrem Alter schon eine Fettleber, tz!“. Sie diagnostizierte eine Angina (wg. der dicken Mandeln und dem weißen Belag, der nicht untypisch für Pfeiffer ist) und verschrieb Penicilin. Lustig: Leber und Milz schwellen bei Pfeiffer wohl sehr stark an – soviel zur Fettleber.
Drei Tage ging es besser, dann holte das Fieber aus und begann vom neuen: Fieber, dicke Knoten, dicke Mandeln, irre Halsschmerzen. Der Notarzt kam und sagte: „Angina“ und dann „Antibiotika“. Herrlich. Pillen in der Größe von Schafskötteln durch einen eh schmerzhaften Schlund zu würgen, war das größte in dieser Zeit.
Drei bis vier Tage war es dann gut oder so: Besser. Dann begann der Horror erneut. Das Fieber kletterte noch höher und was eigentlich nicht mehr zu steigern ging, steigerte sich zu Höllenqualen. Im Hals stand mir ungefähr ein erbsengroßes Loch zum Atmen, Trinken und Schlucken zur Verfügung und für jedes Schlucken benötigte ich rund fünf Minuten Anlaufzeit, bis ich mir das mehr an Speichel notdürftig durch das Löchlein lockte. Der inzwischen dritte Arzt sagte: „Angina“ und „Uuuh, eitriger Abzeß, da müssen wir schneiden“ und schickte mich aber endlich zu einem HNO, der entscheiden sollte, was zu tun sei.
Der guckte. Einmal. Sagte „Pfeiffer!“, beutelte sich bei mir Blut ab und schickte es ins Labor zum EBV-Schnelltest und am nächsten Tag teilte er mir fieberkomatösen Patienten in seinem Lederstuhl sitzend mit: „Pfeiffer!“ und zu meiner Mutter gewandet, die mich damals rührend umsorgte: „Da muss er jetzt durch, da hilft kein Penicilin, das ist ein Virus.“ Und dann krönte er die Bemühungen der anderen Ärzte, als er sagte: „Im Gegenteil: Die Medikamentation mit Penicilin hat das Krankheitsbild noch viel schlimmer gemacht.“ Das sei bekannt, dass EBV-Erkrankungen schlimmer verliefen, wenn sie fälschlicherweise mit Penicilin behandelt würden. Komisch – den Ärzten vorher war anscheinend nicht einmal der Pfeiffer bekannt.
Und so durchlitt ich ohne Hoffnung und ohne Penicilin die nächsten fünf Tage im Vollrausch mit starken Schmerzblockern, die mich nur schliefen ließen, aber nicht wirklich die Schmerzen nahmen. Mein Körper hatte derweil automatisch alles so eingestellt, dass ich nicht mehr schlucken musste: Ich atmete durch den Mund, ließ die Zunge draußen hängen, damit sie trocknete, um ja keinen Speichel im Mund zu haben, den ich hätte schlucken müssen. Kurzum: Meine Zunge war ein trockener Stein. Wi-der-lich!
Heute: Mit dem Wissen, dass der EBV-Virus sich nie aus meinem Körper verflüchtigen wird und jeder Zeit bei hoher Viruslast abgeschwächt aktiviert werden kann, lebt es sich ganz toll. In den Erkältungsmonaten, wenn die eigene Immunabwehr sowieso schon Ausstände feiert, bin ich oft müde, die Knoten schmerzen und schwellen wieder an. Kurzum: Ganz oft habe ich das Gefühl, einen Pfeiffer light in mir zu haben. Außerdem habe ich Mandeln, die seit der einstigen Schwellung so groß sind, dass sie wie große Elefantenohren in meinen Hals hinabhängen und chronisch entzündet sind. Mein jetziger HNO riet mir schon, sie mir entfernen zu lassen. Aber wie gewisse Kreaturen das Weihwasser fürchten, fürchte ich den Aufenthalt im Krankenhaus.
Übrigens: Im Volksmund wird der Pfeiffer auch „Kusskrankheit“ genannt – ich weiß, wie ich meinen EBV bekommen habe. Und Sie, Frau Ami? ;)
Eingeordnet unter Me Myself and I
Schnurlos.
„Ja? Hallo? Frau Sohrbach? Schönen guten Tag, Frau Sohrbach. Herr Schwaner hier. Ja. Der Papa von Paul. Ja. genau. Und zwar würde ich gerne meinen zweiten Sohn für einen Krippenplatz anmelden. Mh-mh. Ja. Das wäre für, moment, ich muss mal überlegen. (grübelt) Also, machen, dann neun Monate, Geburt 2008, dann, sagen wir anderthalb Jahre, Ende 2009, (abgewandt) Nicht so doll, langsam, ganz langsam (wieder dem Telefon zugewandt) Ende 2009, also ab August nächsten Jahres wäre das. Ja. Mh-mh. Ja. Genau. Oh, ja, nein, nein. Noch ist meine Frau nicht schwanger (es quietscht rhythmisch im Hintergrund). Ja. (lacht) Nein, wir arbeiten dran. Ja, genau. Gerade eben. Hören Sie? Gerade eben! (zu Frau Rieke) Stöhn doch mal. Mach doch mal. (stöhnt) Hören Sie? Ich wollte einfach mal schon… (lauscht) Sie wissen doch bei (hält inne,stöhnt) bei Paul war das doch schon so ein (stöhnt) Drama. Nicht? Also, Namen haben wir noch keinen. Tragen Sie doch… (atmet schwer) … Rumpelstilzchen ein. Für August. Wie sind da die Chancen? (es rummst rhythmisch) Vier Paare vor uns? Meine Güte. Was sagen Sie? (stöhnt, rumpelt) Das nächste Mal noch eher? (schreit kurz auf, röchelt, atmet wieder ruhiger) Na, Sie sind gut. Hoffen wir, dass es jetzt gerade geklappt hat. Gut, Frau Sohrbach, dann hören wir uns in zwei, drei Monaten wieder. (lauscht) Ach so, ja, nee, wir sehen uns ja gleich, wenn ich Paul abhole. Gut, Frau Sohrbach, dann schon mal Danke. Ne? Gut, ja, mache ich. Auf Wiederhören (legt auf).“
Eingeordnet unter Dialoge