19. März 2011 · 15:44 nachmittags
Theoretisch: Wenn man ganz darwinistisch an die nuklearen Katastrophen dieser Welt herangeht und das Elend ausblendet, dass eben durch diese Katastrophen verursacht wird, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschen die Strahlung suchen sollten. Um entweder zu überleben oder zu sterben. Zurecht darf mir nun zweifelnd eine zu hohe Strahlendosis angelastet werden, ich rufe aber zu: Mitnichten! und erkläre mich:
Scheinbar gibt es Menschen auf diesem Erdenrund, die besser mit erhöhter radioaktiver Strahlung zurechtkommen als andere. Zuviele Beispiele von beim Tschernobyl-GAU verstrahlten Menschen zeigen dies deutlich: Gleich stark verstrahlte Arbeitskollegen starben einer nach dem anderen in den Folgejahren an Krebs, wieder andere überlebten dieselbe Strahlendosis bis heute, ohne letal zu erkranken. Irgendwo in meinem Hinterkopf meldet sich ein wissenschaftlicher Artikel, in dem es um Gegenden auf diesem Planeten ging, in denen durch Auswaschungen eine erhöhte, natürliche Hintergrundstrahlung existiert. Die Menschen in den betroffenen Regionen zeigten jedoch keine Abnormalitäten, was die typischen, strahlungsbedingten Krankheiten anging. Wie ist so etwas möglich?
Ein Erklärungsversuch: In einem Tümpel lebt eine Vielzahl von Bakterien, die sich bienenfleißig vermehren. Dann kippt Herr Schulz aus der Nachbarschaft mehrere Kilo Salz in den Tümpel und der Salzgehalt des Wassers ändert sich logischerweise. Einige der Bakterien finden das weniger amüsant und sterben, wieder andere überleben dieses Salzfiasko und können sich vermehren, einige ihrer Nachkommen überleben das salzige Nass nicht, die meisten ihrer Nachkommen jedoch haben keinerlei Probleme. Und irgendwann gibt es keine Bakterien mehr, denen der Salzgehalt des Wassers etwas anhaben kann. Die am besten angepassten Bakterien haben überlebt. So oder ähnlich dürfte man sich wohl auch jenes evolutionsbiologische Geschehen beim Ausbilden von Resistenzen gegen Antibiotika vorstellen – man möge mich bitte korrigieren, wenn ich mir da vollkommenen Bullshit zusammen reime.
Wird dieses Prinzip auf die Menschen und radioaktive Strahlung übertragen, so werden viele, viele Menschen an den Folgen der Verseuchung sterben, aber aufgrund der Diversität, der Vielfältigkeit, wird es sicherlich auch Menschen geben, die besser mit der Strahlung leben können als andere. Kurzum: Wenn alle anderen Menschen gar keine Chance gegen die Strahlung haben und nur jene übrig bleiben, die diese Strahlung ohne zu erkranken aushalten , hat die Evolution langfristig einen Menschen durchgesetzt, der an seine Umgebung besser angepasst ist. Eine Umgebung, die durch erhöhte Strahlung gekennzeichnet ist.
Wir leben noch heute mit den Folgen von Tschernobyl, nun werden wir auch mit den Folgen von Fukushima leben müssen. Sicher eine Folge: Menschen erkranken heute und auch in Zukunft vermehrt an Krebs, auch wenn der Zusammenhang nicht eindeutig der Katastrophe von 1986 zuzuordnen ist. Sicher aber auch: Die Evolution lässt sich nicht stoppen. Sie ist der Zahn der Zeit und meuchelt zwischen uns, sie lässt sterben, wer nicht angepasst ist. Ob uns das passt, ist der Natur egal. So irreal und unmenschlich uns das vorkommen mag, diese gnadenlose Auswahl der Natur sichert das Überleben. Auch das Überleben des Menschen in einer Welt, die wir immer ungastlicher und lebensfeindlicher werden lassen.