4. Februar 2008...11:57

Hajoooo …?!

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Wir Berliner sind ja in der ganzen Republik dafür bekannt, die größten Spaßmacher aller Zeiten zu sein. Keiner ist so offenherzig, so zu Scherzen aufgelegt, so komödiantisch, so unverkniffen, so plümerant, so herrlich weltoffen und herzlich, für jeden Schenkelklopfer zu haben und so mitzureissen wie wir. Wirklich. Und jetzt mal Hand aufs Herz…

Der Berliner ist sogar so ein Spaßmacher, dass er es witzig fand, seine eigene Spaßveranstaltung, die alljährlich durch den Tiergarten hüpfte, wackelte, pinkelte und vögelte, die inzwischen ehrwürdige Dame Loveparade, die einst größte Tanzparty der Welt, aus der Stadt zu vertreiben und durch eine vollkommen humorbefreite Parade wie den Berliner Karneval in der sogenannten West-City zu ersetzen. Eine Parade, auf der LKWs mit geschmackloser Schunkelmusik hintereinanderherziehen, Karnevalsvereine, die irgendwann in den neunziger Jahren glaubten, sich mit dem Herzug von rheinschen Frohnaturen gründen zu müssen und die so humorlos herüberkommen, dass es wäre, als kämen Dementoren über uns, die jedwede Freude aus uns aussaugten. Da schunkeln Menschen auf den Transportern, die man alltäglich in Versicherungern, Ämtern oder dem öffentlichen Dienst an Schreibtischen vermodern sehen könnte, die im Alltag wenig lachen und eher vollkommen verständnislos reagieren und einen anfahren, wenn man etwas als Bittsteller von ihnen möchte. Da schunkelt die Krux, sternhagelvoll und natürlich witzig, weil er oder sie eine vollkommen hirnbefreiende Kappe auf dem Gemüt trägt. Da wird einem plötzlich eine Musik kredenzt, mit der man in den 80iger Jahren die ersten privaten Radiosender in Berlin mit Ach-und-Krach in die Pleite rennen ließ, weil kein Mensch in Berlin diesen Schwachsinn an gestelzter Fröhlichkeit hören wollte. Gott, wie ich diese Bilder von diesem — wie es Comedian Reinhald Grebe ausdrückte — amüsierten Mittelmaßgeschwader hasse. Diese falsch lachenden Abteilungsleiter, diese aalglatt gröhlenden, gut austaffierten Benz-Fahrer mit Häkel-Klorollenhalten auf der Heckablage, jene Miesepeter, die bei Fernsehgottesdiensten ihr Heuchlergewand in der ersten Reihe tragen und die jedem am liebsten ausweisen würden, der anders als sie selbst lebt und ist. Nur einmal im Jahr aus dem tiefsten und dunkelsten Kellerloch kommen sie hervor gekrochen, lachen drei Tage ohne zu wissen warum und benehmen sich, als wären sie ein Urvolk, dass trotzig seine Riten pflegt. Die Laubenpieperkolonie hat Ausgang. Ach, wie witzig sind wir doch.

Am Ende kommt dann das, was kommen muss: Die Manöverkritik. Denn die importierten Spaßkanonen aus dem Rheinland, die federführend an den erzwungenen Humorkolonnen beteiligt sind, ärgern sich über die Berliner am Straßenrand, die nicht “Viva Colonia” oder “Mer lasse de Dolm im Kölle” gröhlen wollen, die nicht schunkeln, die kein Spaß versprühen und sich nicht einmal verkleiden wollen.

Eins können sie aber, die Berliner, die dort am Straßenrand stehen: Abgreifen; den Kammelleregen ernten, mit dicken Taschen nach Hause laufen. Darin sind wir Berliner immer schon gut gewesen — darum geht’s beim Berliner Karneval: Hingehen, sich die komischen Steifhüte betrachten, wie man sich Affen im Zoo ansieht und sich dabei die Taschen mit allerlei süßem Gedöhns vollstopfen. Da hat sich seit der Luftbrücke 1948/1949 nicht viel geändert — hin und mit vollen Taschen wieder nach Hause.

Dabei zeigt sich der Berliner mit dem rheinschen Humor nicht unbedingt kompatibel — wir sind halt keine Sonnenkinder des Rheins, wir leben auf Sand und alten Sumpfflächen, bei uns ist es häufig kalt, nass und eklig. Während woanders die Jecken bereits bei zwölf Grad in der Sonne den Funkenmariechen zwischen ihre feisten Schenkelchen gucken, reibt sich der Berliner Braunbär noch seinen Winterschlaf aus den Augen und brummt verächtlich: Ruhe da! Wir lachen nicht um des Lachens Willen — wir sind grob und derb, wir sind Zyniker und Sarkasten. Während wo anders noch launig gefeiert wird, kann man bei uns schon wieder Pferde kotzen sehen. Wie also soll das zusammenpassen?

Mit der Erfindung eines eigenen Jubelrufes ist da nicht getan, schon gar nicht mit so einem:

Hajooooo….!

Jawie? Aschooh!

Oder um es auf den Punkt zu bringen:

Reporter (an Dame mit violetter Perrücke und Fluppe, die am Straßenrand steht und irre belustigt aussieht): “Und als was gehen Sie heute?”

Dame: “Ick bin nur Va’einsmitglied!”

Reporter: “In welchem Verein sind Sie denn?”

Dame: “Harlekins Berlin”

Reporter: “Es gibt ja jede Menge Vereine, an die 18 Stück…”

Dame: “Ja, weeß ick jetze nich…”

Reporter: “Und wie sieht in dem Verein ihre Aufgabe aus?”

Dame: “Anwesend sein und immer lustig sein!”

Ohne Worte.

4 Kommentare

  • Man muss als (Rheinländer) Jeck geboren sein oder wie mein Mann eben sich anstecken lassen, um an Karneval Spaß zu haben. Ansonsten bleibt man am besten zu Hause, dann muss man auch nicht meckern.
    Dabei will ich mal anmerken, dass wir hier in Köln keine 12 °C hatten, sondern 2°C und (Schnee-)Regen. Das Wetter allerdings hält einen nicht vom Feiern und Straßenkarneval ab. Da nehmen es die Jecken wie die Schotten: es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung!

  • Ich möchte niemandem den Spaß am Karneval nehmen. Ich finde nur, dass Berliner und Karneval überhaupt nicht zusammengehen. Das sah man dieses Jahr nicht das erste Mal, dass die BerlinerInnen sich den Zug des Straßenkarnevalisten zwar ansehen, aber ansonsten nicht bei der Sache sind. Es wirkt so fürchterlich gequält in Berlin. Und das muss schließlich Gründe haben.

  • Das mag sein. Auf meinen Schwager trifft das zu, auf meinen Mann nicht. Der ist Ur-Berliner und der Karnevalsjeck schlechthin :-)
    Sie müssen sich nur trauen!

  • Sie wissen doch: Ausnahmen bestätigen die Regel ;)


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