Es ist Nachmittag und die Sonne ist mehr eine käsige Kugel als ein wärmender Ball im Frühling, da schiebt sich durch die pendelnde Spielplatztür ein abgerissenes Pärchen, dahinter folgen ein Kinderwagen und eine Oma, die sich nicht als solche zu erkennen geben will, weil sie das Alter leugnend, sich die Haare gerade ausreichend rot färbt und Jeans trägt, die seit einer Ewigkeit nicht mehr getragen werden wollen. Im Kinderwagen tobt ausgelassen ein zweijähriger Junge, der sich hinter seiner Zwei-Literflasche mit zuckerhaltigem Fruchttee im Mund schon mehr als sichtlich auf den vor ihm liegenden Sand freut. Seine beiden Eltern sind jung. Sie sieht aus, als wäre sie selbst erst dem Kinderzimmer entwachsen, er ist grobschlächtig und plump und seine Kleidung sieht aus, als würde Kurt Beck zu ihm sagen, er solle sich die Haare ordentlich kämmen, einen Gürtel in die Hose stecken und den Bauch einziehen, dann würde er auch einen Job bekommen. Andere Eltern auf dem Spielplatz gucken sich an: Die gehören aber nicht hierher, steht in ihren Gesichtern geschrieben.
Kaum seinem Kinderwagen entkommen, springt der Kleine quietschvergnügt durch den Sand. Doch nicht wenig später, als Oma nicht hinsieht, und seine junge Mutter vor dem Spielplatz steht und raucht, hat das ausgelassene Kind nichts besseres zu tun, als eine handvoll Sand in den Mund zu stecken und vergnügt, herausfordernd seine Oma ansehend, darauf herumzukauen. Besorgt springt seine Oma auf.
„NEI-EN. Luka, Luka!“, blökt sie den Jungen an. „Mach dit nich’. Du sollst da’ doch keen Sand inne Luke stopfen. Mann!“, sagt sie und versucht ihm den Sand wieder aus dem Mund zu wischen. Sein Vater, der bei der rauchenden Mutter steht, betritt den Spielplatz und nimmt seinen Sohn auf den Schoß und wirkt mäßigend auf ihn ein. „Ja, siehste, jetzte kiekste blöde auss’e Wäsche, wa?“, lacht er.
Die Mutter des Kleinen betritt die Sandgrube, besieht sich den Sand und scharrt lustlos mit ihren dunklen Hochplateauturnschuhen im Sand herum.
„Na wenigstens is’ der Sand hier saubara und frischa als bei uns“, lacht sie.
„Trotzdem solla sich keen Sand in’n Mund stecken“, erwidert ihre Mutter forsch.
„Na wat’n? Hier hatta wenigstens nich’ glei’n Besteck durch seine Fresse stecken, wenna’n Sand beißt, va’steehste?“



