April 23, 2008...8:29 Uhr vormittags

Buddelkasten-Prominenz

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Es klingelt das Telefon.
Ich erwache nur mühsam aus meinem mit Aspirin plus Ceh herbeigeführten Schlaf und lenke die schmerzenden Augen auf das Display: “Rieke mobil” tutet da. Ich gehe ran.

“Ja?”
“Ja, ich wollte nur sagen, ich geh jetzt mit Paulchen noch auf den Spielplatz.”

“Ja”, sage ich, “davon wäre ich dann schon ausgegangen.”
“Und die Makatsch is’ hier.”
“Hm?”
“Heike Makatsch!”
“Was macht’n die auf unser’m Spielplatz?”
“Was weiß ich?”

Ich tapere ans Fenster und riskiere einen Blick über die Höfe zum Spielplatz. Dort sitzt auf den Bänken das übliche Dutzend Übermuttis, die vollkommen gestyled auf dem Spielplatz auftauchen, sich dort die neuesten Sorten Latte irgendwas vorsüffeln und dabei die Lackschühchen vorzeigen. Lackschühchen im Buddelkasten — das ist sowas von genial und der Mitte-Style: Dreißig sein, aber sich anziehen wie mitte Vierzig, schließlich muss man sich ja seinen Status beweisen. Mit den Kindern im Sand spielen? Nicht doch, meine Schuhe, meine Handtasche — die Sonne macht meine Haare schon kaputt.

In der Mitte des Spielplatzes kreisen mehrere Kinder um zwei Frauen, die einzigen, die etwas frischer und jünger, quirliger oder auch schwurbelischer angezogen sind. Die eine trägt eine knallenge weiße Jeans und ein rosa Top, die andere stochert mit ihren Beinen in schwarzen Karottenhosen und Chucks herum und zwirbelt an den Enden ihres modisch um den Hals gewickelten PLO-Tuches herum. Es sind die beiden einzigen die herausstechen. Traurig genug.

“Ja, die mit’m rosa Top?” frage ich Frau Rieke.
“Neee”, sagt sie, “die daneben.”
“Ja, hab’ ich mir schon gedacht”, antworte ich.

Arme Sau, denke ich, während ich noch runterstarre. Als ein Mensch öffentlichen Interesses wird sie gewiss noch mehr als Mutter gemessen, als andere. Vor allen Dingen bei der Riege Glucken, die um den Buddelkasten herum auf den Bänken sitzen und mit Lackschühchen im Sand scharren. Guck mal, wie macht die denn das? Kann die das denn? Na, denn wollen wir mal sehen, wie die sich anstellt? Ach so doll sieht die doch gar nicht aus, was soll denn an der dran sein? Allerdings, so grübel ich bei mir, während ich wieder auflege, hat sie gewiss auch ein dickes Fell dafür. Braucht man auch. Gerade hier. “North of Torstraße” kurz “NoTo”, wie die Vanity Fair einmal titelte, als sie die Rosenthaler Vorstadt als ganze hippe Gegend brandmarken wollte.

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