Juni 9, 2008
Wenn du gerade die Hose geöffnet und heruntergezogen hast, wenn du dich mit Vorfreude auf das Bevorstehende auf den Deckel der alles verschlingenden Keramik setzt und einen Moment brauchst, um im Badezimmer loszulassen, wenn du dann knötterst und dich wie ein Hase fühlst oder es flutschen lässt, wie nur ein Elefant es kann und du gerade im Begriff bist, im Schutz der gekachelten Wände, allein, in sicherer, unbeobachteter Atmosphäre loslässt und alles geben willst, dann muss natürlich just in diesem zarten Moment die Türklinke heruntergedrückt werden, und dein Sohn kommt grinsend hereinstolziert und schreit freudig erregt: “Ja, wer kommt denn da?”
Juni 7, 2008
Früher hätte Frau Charlotte Roche gewiss nicht von der Bettkante gestoßen, wenn sie denn dort vorstellig gewesen wäre, was doch eher zu bezweifeln ist.
Spätestens jedoch nach ihrem Debüt-Roman und zahlreichen Interviews zu ihrem Buch und den Erkläungen, sie hätte viel von dem, worüber sie geschrieben hat, ausprobiert, würde ich mir das schwer überlegen, denn weder hätte ich Lust, während eines aufreizenden Vorspiels durch zwinkernde Augen gefragt zu werden
“Mit oder ohne Schokodip?”
noch wäre es der Standhaftigkeit wenig zuträglich, sich oral an genau den Tagen der rund 28 einer Frau zu verdingen, die vielleicht eher weniger dazu geeignet sind. Oder sich genauer mit Puperzen zu beschäftigen.
Mai 30, 2008
Spätestens seit den abschätzigen Blicken im Sportkaufhaus meiner Wahl weiß ich es mit Sicherheit: Ich bin eine Presswurst. Ich habe, so glaube ich fest, und der Spiegel mag mich darin bestätigen, recht kräftige Fahrradsportbeine. Dafür tue ich jedes Jahr genug. Über dem Gürtel jedoch sieht es weitaus weniger feierlich aus: Das bringt zum einen mein Hang zu Süßigkeiten mit sich, die Sesshaftigkeit und das kontinuierliche Essen, seit Frau Rieke und ich zusammenleben, der Job am Rechner und natürlich die Triebhaftigkeit von Frau Rieke, wenn es ums Backen geht. Was waren das noch für feine Zeiten, als man sich als Student von Zigaretten, schwarzem Kaffee und Alkohol ernährte, das Essen ausblendete und für Süßigkeit schlichtweg zu geizig war? Da war Zunehmen kein Thema. Man sah aufgeschwemmt aus, aber nicht dick.
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Mai 28, 2008
Wir sitzen bräsig auf der Sonnenterasse und lassen uns das schwerdeutsche Essen durch den Magen rumpeln. Ich albere mit meinem Sohn bierseelig herum, zeige ihm, wie man seinen Mund verdrehen kann und welche Geräusche sich bilden lassen, während Frau Rieke im Garten des Restaurants schaukelt und sich von überneugierigen Blagen ausfragen lassen muss, wie alt sie sei. Und ob sie nicht die Schwester… Frau Rieke vermutet, dass irgendeine überneugierige Mutter von der Sommerterasse das wissen will, weil das Mädchen nach der Fragestunde schleunigst an den Tisch ihrer Eltern zurückkehrt und eifrigst Auskunft zu geben scheint.
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Mai 28, 2008
Die fettgeschriebene 1 leuchtet neben dem Ordner Junk. Ich kann nicht anders, ich muss doch mal gucken, welche Mail sich alleine in meinem Spam-Ordner tummelt. Ich klicke.
“Man lebt nur einmal”, sagt mir Dave Gonso, “probieren Sie es aus…”
Wie sinnig.
Mai 28, 2008
Frau Rieke sagte gestern: “Das ist wie so ein Unfall. Es ist schrecklich, aber man kann einfach nicht aufhören, zu lesen.” Ich schmunzele in mich hinein und bin ob der direkten, weiblichen Offenheit amüsiert und frage mich, ob diese Lust an Selbsterfahrungen einigen meiner Verflossenen nicht besser zu Gesicht gestanden hätte, als dieses ewige Waschen, Waschen und Waschen. Das Lesen und darüber Grübeln hat bereits nach dem zweiten Kapitel seinen Preis. Den Filmtitel “Den Duft der Frauen” werde ich nun nie wieder unvoreingenommen lesen werden können — wirklich nicht.
Mai 27, 2008
Sagt, liebe Frauen im Kölner Raum, geht ihr eigentlich hiernach noch gerne auf öffentliche Toiletten? Ich wäre ja extrem unsicher, wenn ich sie in einem Club treffen würde, weniger wegen ihr, sondern wegen alles aufsaugender, laut schmatzender Muschis… Oder sollte ich mich als Mann an der bloßen Vermutung erfreuen und hinterherrüsseln? Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob diesen Text wirklich jemand verlegt hätte, wenn nicht der Name dahinterstünde.
Mai 23, 2008
“Freundschaft mit Benefits” — die zarte Umschreibung für geistige Umnachtung und den Vorgang, eine vielleicht langjährige Freundschaft durch hormonelles Rumgebumse in die Binsen fahren zu lassen. Besonders entzückt mich im Zusammenhang mit “Benefits” die Meldung, die mindestens einmal im Jahr herausgeholt wird, um Männer in die Hausarbeit einzubinden. Ihnen das Schrubben, Putzen, im-Haushalt-Malochen schmackhaft zu machen. Das Wegätzen des eigenen Urinsteins in und einen Kilometer um die Toilettenschüssel zu versüßen: “Hausarbeit mit Benefits”, versehen mit dem Ergebnis einer Studie, dass Frauen, die in der Hausarbeit durch ihre Männer entlastet würden, glücklicher und damit dem S.ex zugänglicher sein.
Liebe Männer! Wer glaubt denn an sowas? Glücklicher, ja. Mehr Se.x? Also bitte. Demnach käme ich ja gar nicht mehr zum Putzen. Ne?
Mai 22, 2008
Als ich das erste Mal in meinem Leben ein original us-amerikanisches Lebensmittel probiert habe, und ich rede nicht von einem Lebensmittel aus der Feinkostabteilung eines besser sortierten Supermarktes oder eines KaDeWes, hatte ich sofort das mulmige Gefühl, spontan Karies zu bekommen und ich prüfte umgehend den fortschreitenden Zerfall des Zahnbestandes mit der Zunge.
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